Neubau der Feuer- und Rettungswache, Gütersloh

Fertigstellung

Der Neubau der Feuer- und Rettungswache mit integrierter Kreisleitstelle bildet als Eingang zum Zentrum der Stadt Gütersloh innerhalb der heterogen geprägten, kleinteiligen Umgebungsbebauung einen markanten, ruhigen neuen Stadtbaustein. Dabei ist das Gebäude als Hoftypologie um einen allseitig umschlossenen Betriebshof organisiert. Die Gebäudefluchten entwickeln sich konsequent aus den Raumbezügen der Umgebung; zur Friedrich-Ebert-Straße ist das Gebäude zweigeschossig, zum angrenzenden Festplatz eingeschossig ausgebildet. Das Gebäudevolumen ist durch wechselnde Einschnitte gegliedert, die in Maßstäblichkeit und Rhythmus mit der Umgebung kommunizieren und das Gebäude zur Stadt öffnen. Die Materialität des Fassadenklinkers unterstützt diesen Wechsel aus offenen und geschlossenen Flächen.

Die hohen funktionalen Anforderungen fasst das Gebäudevolumen mit einer konsequenten Zuordnung der einzelnen Bereiche zusammen: Das Erdgeschoss nimmt die Fahrzeugbereiche und zugeordnete Werkstatt-, Funktions- und Lagerflächen auf. Im Obergeschoss befinden sich Büro- und Aufenthaltsräume und Sonderbereiche wie Kleiderkammer, Atemschutzübungsstrecke und Kreisleitstelle. Im innenräumlichen Materialkonzept wird der funktionale Charakter mit offenen Installationen und sichtbar belassenem Beton aufgegriffen. Die Lochfassade mit kleinteiliger Gliederung des Obergeschosses und großen Öffnungen im Erdgeschossbereich unterstützt die Ablesbarkeit der Nutzungen; über ein Schaufenster zu Fahrzeughalle und Innenhof wird die Funktion des Gebäudes eindrucksvoll in den öffentlichen Raum vermittelt.

Die Verwendung robuster und langlebiger Materialien in der architektonischen Planung und die schon mitgedachte bauliche Erweiterungsmöglichkeit des eingeschossigen Gebäuderiegels werden durch eine umsichtige TGA-Planung ergänzt: Mit Ausnahme der Fahrzeughallen ist das Gebäude mit hochdichter Gebäudehülle und Lüftung mit Wärmerückgewinnung an den Passivhausstandard angelehnt geplant. Der Energiebedarf wird zum Großteil regenerativ über eine Photovoltaikanlage gedeckt; durch die Realisierung einer redundanten Strom- und Kälteversorgung wird die Einsatzfähigkeit auch in Ausnahmesituationen gewährleistet.

Die einsehbaren Dachflächen sind extensiv begrünt; den Belangen des Umweltschutzes wird auch mit Nistkästen für Mauersegler im stadträumlich prägnanten Übungsturm Rechnung getragen.

Der funktionale Charakter der Nutzung und eine robuste, nachhaltige Fassadengestaltung werden durch die Verwendung des gewählten Klinkers wesentlich unterstützt. Große geschlossene Erdgeschossflächen werden dabei über ein Relief gegliedert und entwickeln im Zusammenspiel mit den Ein- und Unterschnitten im Baukörper und den großflächigen Öffnungen im Bereich des Erdgeschosses eine starke Plastizität. Durch die farblichen Nuancen des Klinkers entsteht eine lebendige Fassadenwirkung, die sich je nach Tageszeit und Besonnung in unterschiedlichen Farbtönen präsentiert.

Alle Fotos: Laura Thiesbrummel, lt-architekturfotografie.com