Östliches Bahnhofsumfeld Wünsdorf
Offener städtebaulicher Ideenwettbewerb mit anschließendem Werkstattverfahren
LEITBILD UND KONZEPT
Der Entwurf reagiert auf die komplexen Anforderungen des Standorts mit einem klaren städtebaulichen Konzept, das sich aus drei prägenden Elementen zusammensetzt: dem „Waldstadt-Loop“ als verbindendes Freiraumelement, dem „Urbanen Rand“ als kraftvolle Raumfassung sowie der „Grünen Mitte“ als identitätsstiftendem Herzstück des Quartiers.
Mit dem „Waldstadt-Loop“ wird ein freiräumliches Rückgrat formuliert, dass das Gebiet strukturiert, verbindet und identitätsstiftend wirkt. Der Loop schafft hochwertige öffentliche Räume, verknüpft Nachbarschaften und leistet durch seine Gestaltung einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.
Der „Urbane Rand“ bildet die stadträumliche Fassung des Gebiets und reagiert mit Struktur und Dichte sensibel auf den Kontext. Er schafft klare Raumkanten zur Umgebung und gibt dem Quartier nach innen und außen eine prägnante städtebauliche Gestalt. Die Bebauung ist durch eine typologische Vielfalt und ein breites Nutzungsspektrum geprägt, bleibt dabei jedoch über Gestalt und Maßstäblichkeit als zusammenhängendes Ganzes ablesbar. Prägnante Auftaktsituationen setzen städtebauliche Akzente und stärken die Adressbildung.
Die „Grüne Mitte“ bildet das grüne Herzstück des Quartiers und dient als öffentlicher Naherholungsraum mit hohem ökologischem Wert. Bestehende Vegetationsstrukturen werden integriert und durch naturnahe Gestaltungselemente ergänzt. Die „Grüne Mitte“ ist nicht nur Freiraum, sondern auch sozialer Begegnungsort, der die neue Nachbarschaft stärkt und das Prinzip einer klimaresilienten Stadtentwicklung in die Mitte des Entwurfs rückt.
BEBAUUNG UND TYPOLOGIE
Der Entwurf schlägt die Ausbildung von neun klar ablesbaren Baufeldern vor. Diese orientieren sich an den vorhandenen Flurstücken, Nutzungen und Bebauungsstrukturen. So entsteht ein robuster Rahmen, der eine realistische, phasenweise Entwicklung ermöglicht und flexibel auf zukünftige Anforderungen reagieren kann. Jedes Baufeld kombiniert unterschiedliche Angebote mit spezifischen Nutzungsschwerpunkten – im Zusammenspiel ergibt sich ein durchmischtes Quartier für unterschiedliche Bedürfnisse.Die neue Bebauung besteht aus wiederkehrenden Typologien, die auf vielfältige Nutzungsanforderungen, Parzellenzuschnitte und soziale Bedürfnisse reagieren:
„Waldstadt-Würfel“: Kompakte, punktförmige Baukörper mit allseitiger Ausrichtung und umgebendem Grün bilden den Grundtypus für gemeinschaftsorientiertes Wohnen. Umlaufende Laubengänge dienen als großzügige, gemeinschaftliche Freisitze und fördern ein lebendiges Hausleben. Die drei- bis viergeschossigen Gebäude eignen sich besonders für Baugruppen und integrative Wohnformen. Je zwei Häuser gruppieren sich um einen gemeinschaftlichen Platz. Begrünte Fassaden und wohnungsnahe Freiräume prägen das Bild.
„Kleiner Alleskönner“: Kompakte Punktbebauung, einzeln oder als Doppeltyp einsetzbar. Ideal für modulare, kostengünstige Nachverdichtung mit hoher Vorfertigung. Die Erschließungsseite dient als baulicher Schallschutz, Ein- bis Dreispänner sind möglich. Flache oder geneigte Dächer passen sich dem jeweiligen Kontext an. An prägnanten Lagen, wie z.B. am Loop, wird das EG für öffentliche oder gewerbliche Nutzungen geöffnet. Grüne Dächer und Terrassen stärken die ökologische Qualität. Gut geeignet für Genossenschaften oder Wohnungsbaugesellschaften.„Gute Reihe“: Lange, zeilenförmige Baukörper erinnern an die historische Bebauung Wünsdorfs. Bestehende Strukturen werden – wenn möglich – weitergenutzt oder auf altem Footprint ersetzt. Zwei bestehende Reihen an der Grünen Mitte bleiben als Mauern erhalten und werden zu Gemeinschaftsgärten umgenutzt. Ergänzt wird der Typus durch neue Reihenhäuser oder vermietbare Varianten. Zwei Geschosse mit geneigten Dächern prägen das Bild. Die „Bundesförderung Serielles Sanieren“ kann Anreize für die Entwicklung durch Investoren schaffen.
„Lebendige Zeile“: Dieser Typus nutzt die Effizienz des Zeilenbaus für vielfältigen Geschosswohnungsbau. Unterschiedliche Wohnungsgrößen und zentrale Treppenhäuser ermöglichen flexible Wohnformen. Im EG sind kleinteilige Gewerbenutzungen denkbar, besonders entlang des Waldstadt-Loops. Die Gebäudetiefen erlauben variable Grundrisse. Die „geknickten Zeilen“ aus dem Bestand werden teilweise als Motiv aufgenommen. Zwei bis vier Geschosse mit Dachterrassen und begrünten Dächern sind Standard.
„Pavillon mit Hut“: Der ehemalige Konsum wird zum neuen Quartierstreff umgenutzt. Das Motiv des Pavillons mit markanter Dachform taucht an wichtigen Orten wieder auf – etwa an den Auftaktplätzen zur Berliner Allee oder zum Bahnhof – und schafft einprägsame, sozial nutzbare Orte.
„Parken PLUS“: Zwei Quartiersgaragen an den Rändern bündeln Stellplätze und ergänzen diese um Sharing, Ladepunkte, Paketstationen sowie kleine Gewerbenutzungen wie Kiosk oder Werkstatt. Die westliche Garage bietet auf dem Dach Flächen für Sport und Freizeit, die östliche Garage integriert Gewerbe und Stellplätze. Beide Bauten rahmen Platzräume, ihre Fassaden sind naturnah gestaltet und leisten einen Beitrag zur Klimaanpassung.
Architektur: AEVGL – Studio Fasan
Landschaftsarchitektur: bauforum Berlin
Zeitraum: März – Juli 2025